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Von der Zertrennung unter den Religionen


von Bernhard Kaiser

Der Kirchenvater Augustin (354-430) hat mit dem Wort Jesu, nötige sie hereinzukommen (Lk 14,23) dem Mittelalter das Stichwort geliefert, um Kreuzzüge gegen Heiden und Gewaltmaßnahmen gegen Ungläubige und angebliche Ketzer zu rechtfertigen. Daß Jesus das Nötigen nicht in diesem Sinne verstand, wird aus seinen Antwort an Pilatus sichtbar: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, daß ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt" (Joh 18, 36). Die Kirche Christi kann nur in der Kraft des Wortes Gottes ausgebreitet werden. Es zu predigen ist die der Kirche gestellte Aufgabe.

Doch solange es Menschen gibt, werden sie auch mit Gewalt für die Geltung ihrer Religion kämpfen. Es kann und wird keinen Frieden geben können zwischen den Religionen, weil die Religion das menschliche Bewußtsein viel tiefer bindet, als es der aufgeklärte Mensch wahrhaben will. Es liegt im sündigen Wesen des Menschen, in seinem Unglauben im Blick auf die Souveränität Gottes, daß er meint, er, das Geschöpf, könne und müsse mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln seinem Gott Geltung und Einfluß verschaffen. Das gilt übrigens auch für den Materialisten, für den es keinen Schöpfer gibt, sondern für den die Materie Quelle des Lebens ist. Die religiöse Bewußtseinsbindung ist etwas Absolutes. Sie braucht die Sicherheit, und darum scheut sie auch nicht vor Gewaltmaßnahmen zurück.

Um den bedrohten Weltfrieden zu sichern, werden immer neue Bücher und Programme aufgelegt, die sich mit der Bedrohung des Weltfriedens durch die Religionen auseinandersetzen. So jüngst ein Buch von Madeleine Albright, der früheren Außenministerin der USA, unter dem Titel The Mighty and the Almighty (Der Mächtige und der Allmächtige). Es möchte ins Bewußtsein rufen, daß Religion in der Politik eine zunehmende Rolle spielt. Doch es stößt in dasselbe Horn wie viele andere Bücher, indem es die gemeinsamen Wurzeln von Christentum, Judentum und Islam betont und versucht, die in diesen drei Religionen vorhandenen gemeinsamen ethischen Linien hervorzuheben.

Würde man dies einem fanatischen Moslem vorlesen, wäre das so ähnlich wie bei George Orwells Farm der Tiere, wo die Katze den Vögeln verkündigt, nun herrsche Frieden unter den Tieren. Nicht daß Frau Albright mit dieser Katze zu vergleichen wäre; sie ist eine Kritikerin des Irak-Krieges und vertritt nicht eine Politik des starken Christentums. Insofern müßte man das Bild eher umdrehen, so daß ein Vogel den Katzen vorzwitschert, daß nun Frieden möglich sei. Die Illusion aber, die dahinter steht, ist schon bezeichnend. Sie will erreichen, daß Christen wie Moslems ihren militanten, religiös begründeten Fanatismus aufgeben zugunsten des friedlichen Zusammenlebens. Finden solche Anschauungen im Westen noch Zustimmung, so sind sie für den Moslem eine Zumutung, denn dann müßte er ja Frieden schließen mit den verhaßten Juden und den verachteten Christen. Er wird das allenfalls übergangsweise oder aus pragmatischen Gründen tun. Von seiner Religion her hat er kein Interesse an einem Übereinkommen mit den Verehrern anderer Götter, sondern er will die Unterwerfung der Welt unter Allah. Deshalb wird es keinen verwestlichten Islam geben. Der aufgeklärte Moslem Bassam Tibi warnt schon lange vor dieser Illusion.

Es ist eine Aufgabe des Staates und der Staaten, für Frieden zu sorgen. Der Westen sollte sich besser damit abfinden, daß es islamische Staaten gibt, deren Recht anders begründet ist als das westliche. Islamischen Staaten eine Demokratie nach westlichem Muster aufzuzwingen bedeutet, sie in ihrer Bewußtseinsbindung, die ihre Religion nun einmal darstellt, zu vergewaltigen. Es ist darum besser, sichere Grenzen zu haben und Diplomatie im Umgang miteinander zu pflegen, als offene Grenzen und den Im- und Export von Terror, Gewalt und Bürgerkrieg. Der Moslem, der einen islamischen Staat möchte, sollte einen solchen haben können - in Marokko oder Afghanistan oder wo auch immer sonst, aber nicht in Europa.

Frieden hat seine Grundlage im gemeinsam wertgeachteten Recht und nicht in der als Beliebigkeit gelebten Freiheit. Der Westen wäre deshalb gut beraten, die auf den Zehn Geboten beruhende Rechtsordnung, die er seit 1968 mit Füßen getreten hat, wieder wertzuachten, sie nach innen hin durchzusetzen und bereit zu sein, sie nach außen hin zu verteidigen. Dies erfordert unabdingbar die rechte Wertschätzung unserer Rechtsordnung. Wer die Freiheiten, die sie bietet, schmarotzerhaft zum eigenen Vorteil mißbraucht, mißachtet sie. Dafür gibt es zahllose Beispiele, seien dies die Vergeudung von Steuergeldern, der Mißbrauch sozialer Leistungen oder der Mißbrauch der Religions- oder Meinungsfreiheit oder des Selbstbestimmungsrechtes, um Ideologien und egoistische Lebensformen zu promovieren, die zur Auflösung der Gesellschaft führen. Ich denke hier an die Forderung, Drogenkonsum zu legalisieren, oder die schulische Sexualerziehung, die mit neumarxistischen Leitvorstellungen Ehe und Familie zerstört, oder die Toleranz des öffentlichen Muezzim-Rufes im Namen der Religionsfreiheit um nur einige Beispiele zu nennen. Die Folge ist, daß diejenigen, die unter dem Mißbrauch leiden, die geltende Rechtsordnung ebenfalls mißachten, weil sie sie nicht mehr schützt. Das sind die Steuerzahler, die Familien, Wertkonservative, Christen und wen immer es betrifft. Auf diese Weise schwächen die westlichen Staaten sich selbst von innen heraus durch ihre große Toleranz gegenüber dem, was im Licht der Gebote Gottes Unrecht ist. Sie werden damit zur Zielscheibe der Eroberungsgelüste ihrer natürlichen Feinde.

Auf dem Schlachtfeld von Verdun haben Juden den abendländischen Völkern ein Mahnmal gesetzt in Gestalt der Zehn Gebote, deren Anfänge in großen hebräischen Lettern zu lesen sind (s. Bild). Die europäischen Demokratien werden nur überleben, wenn Parteien aller Couleur und Bürgerinnen und Bürger sie neu hören und danach tun.

Sie lauten auf deutsch:

1. Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

2. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen. Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!

3. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen mißbraucht.

4. Gedenke des Ruhetages, daß du ihn heiligest.

5. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.

6. Du sollst nicht töten.

7. Du sollst nicht ehebrechen.

8. Du sollst nicht stehlen.

9. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.