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Evangelische Kirche im 21. Jahrhundert

Bernhard Kaiser

Die EKD geriet dieser Tage in die Medien: Der Rat der EKD ist mit einem Impulspapier unter dem Titel Kirche der Freiheit. Perspektiven für die Evangelische Kirche im 21. Jahrhundert an die Öffentlichkeit getreten. Das Papier versucht, die Situation der Kirche im Jahre 2030 ins Blickfeld zu rücken und die daraus nötigen Konsequenzen zu ziehen. Renommierte Medien berichteten darüber, unter anderen das ZDF, die FAZ, der Spiegel und natürlich auch idea.

Eins ist vorab klar: Die finanzielle Entwicklung der sogenannte Evangelischen Landeskirchen erfordert in Zukunft einschneidende Maßnahmen. In diesem Impulspapier, das auf der Internetseite der EKD ausgestellt ist, skizzieren die Autoren eine EKD mit nur acht bis zwölf statt der bisher dreiundzwanzig Kirchenverwaltungen. Die Verwaltung soll also verschlankt und vereinfacht werden. Daneben wird die Konzentration auf die "Kernvollzüge" der Kirche gefordert, also die Besinnung auf den geistlichen Auftrag und die bewußtere Wahrnehmung von Gottesdiensten und Amtshandlungen. Ehrenamtlich tätige Laien sollen stärker in die kirchliche Tätigkeit eingebunden werden. Der Pfarrer der Zukunft hat eine hohe kybernetisch-missionarische Kompetenz, denn er wird eine wachsende Zahl ehrenamtlicher Mitarbeiter managen müssen. Die Zahl der vollzeitlich angestellten Pfarrer muß indes aufgrund der desolaten finanziellen Entwicklung drastisch reduziert werden. Trotzdem wagt es der EKD-Ratsvorsitzende Huber in einem FAZ-Beitrag (6.7.06, S. 7), von einem Wachstum gegen den Trend zu sprechen. Hoffnung gibt ihm das derzeit wachsende religiöse Interesse in der Bevölkerung.

Doch selbst wenn die Gliedkirchen der EKD alles tun, um den Herausforderungen der Zukunft in der im Impulspapier geschilderten Weise zu begegnen und wenn die Pfarrerinnen und Pfarrer mit Enthusiasmus an ihre Arbeit herangehen das Hauptproblem bleibt unerkannt: sie haben nicht mehr die richtigen Werkzeuge. Die bibelkritische Schultheologie an den Universitäten verbietet es den künftigen Pfarrern, die Bibel als das vertrauenswürdige Wort Gottes zu verkündigen. Sie erlaubt allenfalls, es als religiöses Bekenntnis und damit als Menschenwort zu handeln. Dann fällt es leicht, es durch andere Menschenworte zu ersetzen derzeit wohl durch eine ökumenisch-spirituelle Zivilreligion. Bibel und Bekenntnis, die einst die evangelische Identität stifteten, gelten nicht mehr, weder in der theologischen Ausbildung noch in der kirchlichen Predigt. Wenn also die "Kernvollzüge" wie der sonntägliche Gottesdienst scheinbar marktgerecht religiöse Bedürfnisse befriedigen, aber nicht gemäß der Bibel und im Sinn der Reformation Gesetz und Evangelium verkündigen und den Menschen zum Glauben an Jesus Christus rufen, wird die EKD ganz im seit Jahrzehnten bekannten Trend und gegen die Illusion von Herrn Huber weiter schrumpfen und noch bedeutungsloser werden, als sie ohnehin schon ist.

Wann endlich kapieren die wenigen Christen in den Landeskirchen, daß die EKD und ihre Gliedkirchen nicht mehr Kirche Christi sind und daß evangelischer Glaube in ihnen nicht überleben wird? Wenn es denn innerhalb der EKD nicht möglich ist, Gottes Wort zu verkündigen, dann sollten sie sich als selbständige Gemeinden konstituieren, um sich der existenzbedrohenden Abhängigkeit von den Landeskirchenämtern zu entziehen, und wieder für die rechte Verkündigung des Evangeliums Sorge tragen, bevor es zu spät ist und das geistliche Leben am Ort vollständig ausgelöscht ist!