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Zur Idomeneo-Absetzung an der Dt. Oper Berlin

Ein Kommentar von Bernhard Kaiser

Die Mozart-Oper Idomeneo ist zwar schon einige Wochen vom Spielplan der Deutschen Oper Berlin abgesetzt und der Staub, der durch die Entscheidung der Intendantin, Kirsten Harms, aufgewirbelt wurde, hat sich gelegt. Zwischenzeitlich wird sogar erwogen, das Stück wieder zu bringen, und Herr Schäuble hat im Zusammenhang der ersten Islamkonferenz erklärt, zusammen mit seinen Gesprächspartnern von dieser Konferenz die Oper besuchen zu wollen.

Der ganze Vorgang ist in mehrfacher Hinsicht symptomatisch und für unsere Gesellschaft eigentlich peinlich.

1. Warum muß eine Mozart-Oper mit dem geschmacklosen Abschlagen der Köpfe von Jesus, Buddha, Mohammed und Poseidon garniert werden? Ist das nicht Gewaltverherrlichung?

2. Es ist allemal ein aus dem Nihilismus geborener Mißbrauch der Freiheit der Kunst, die religiösen Gefühle anderer Menschen zu verletzen. Besteht die Freiheit, die wir zu leben und zu verteidigen haben, gerade darin? Dabei habe ich natürlich nicht nur Moslems vor Augen, sondern auch Christen, denn auch der Gottessohn Jesus Christus wird dabei erneut in den Schmutz gezogen. Die Christen werden zwar nicht, wie man aus langjähriger Erfahrung weiß, mit Terrorakten antworten. Als Christ habe ich aber die Freiheit, dagegen meine Stimme zu erheben und Protest anzumelden und es mir versagen, solch eine Kunst anzusehen.

3. Daß Herr Schäuble mit den Teilnehmern der Islam-Konferenz vereinbart, daß Stück anzusehen, wenn es gespielt wird, soll wohl ein Demonstration der Freiheit sein. Doch trotz der vordergründigen Vereinbarung könnte dies eine Vergewaltigung der Gewissen einiger moslemischer Teilnehmer sein und das ist eine reine Mutmaßung später als Schuß nach hinten losgehen, weil es sich der Moslem schlußendlich doch nicht gefallen läßt, daß man auf seinen religiösen Gefühlen herumtrampelt.

4. Die Bundesregierung möchte wohl einen aufgeklärten Islam in unserem Land aufbauen. Das wird ihr nur zum Teil gelingen, weil nur ein Teil der moslemischen Bevölkerung die säkularen Werte der westlichen Gesellschaften lebt. Nach meinem Eindruck aber wird der größere Teil der islamischen Bevölkerung sich diesem Prozeß verweigern und seine aus den jeweiligen Herkunftsländern bekannten Lebensformen in Form von moslemischen Parallelgesellschaften verwirklichen. Die deutsche Hauptstadt bietet dafür Anschauungsmaterial in wachsender Fülle. Ob konservative Moslems sich von verwestlichten Vertretern des Islam wirklich vertreten sehen, ist zu bezweifeln. Ob sie einem oktroyierten Euro-Islam ohne gewaltsamen Widerstand begegnen ebenfalls.

5. Die Tatsache, daß die Angst vor Terroranschlägen von islamischer Seite zur Absetzung des Stückes geführt hat, zeigt, daß die deutsche Hauptstadt und damit ein symbolträchtiger Ort westlicher Kultur (Wowereit: "arm" und "sexy") sich an einem Wendepunkt befindet. Der vielbeschworenen Freiheit der Kunst, die man in den vergangenen Jahrzehnten gegen den christlichen Glauben und die bürgerlichen Werte verteidigen zu müssen gemeint hat, wird nun schon durch eine bloß unbestimmte Terrorwarnung wegen einer anderen Religion ein jähes Ende bereitet. Es mag sein, daß das Stück doch noch aufgeführt wird, aber bei einem wachsenden moslemischen Bevölkerungsanteil und bei einer begründeten Befürchtung von Terroranschlägen wird man in Zukunft die Freiheit der Kunst in Richtung Islam nicht mehr reklamieren.

Um es mit Paulus zu sagen: Was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer die Lästerung Jesu Christi sät, darf sich nicht wundern, wenn er ganz unerwartet islamischen Terror erntet. Wer die Gnade Gottes in Christus gering achtet, darf sich nicht wundern, wenn auf einmal ganz andere, gnadenlose, Gewalt und Tod verbreitende Mächte nach ihm greifen.

Ob der westliche Mensch noch Zeit zur Umkehr findet?