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Die Zukunft der EKD

Ein Kommentar von Bernhard Kaiser

Vom 25. bis 27. Januar trafen sich Vertreter der verschiedenen Gliedkirchen der EKD in Wittenberg, um über die Zukunft der EKD zu beraten. Das Impulspapier "Kirche der Freiheit", das im Sommer 2006 veröffentlicht wurde, war Gesprächsgrundlage. Der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Huber, skizzierte in seinem Vortrag "Evangelisch im 21. Jahrhundert" die grundlegenden Aufgaben der Kirche unter dem Aspekt der Freiheit, zu der die Kirche berufen sei.

Nach dem auf der Internetseite der EKD veröffentlichten Manuskript des Vortrags wurde die Freiheit indes nicht in dem von Paulus im Galaterbrief vorgetragenen Sinne dargestellt. Dort geht es bekanntlich um die Freiheit vom Gesetz und seinem Fluch, der durch das stellvertretende Sühnopfer Christi abgetan wurde. Es geht um harte Fakten und nicht nur um Befindlichkeiten und Deutungen: Um die menschliche Sünde gegenüber Gott, um das leibhaftig vollzogene Strafleiden Jesu, um seinen Tod und seine leibhaftige Auferstehung. Der Mensch kann aufgrund der Zusagen des Evangeliums dem Faktum seiner Sünde das Faktum des Sühnetodes Jesu entgegenstellen und aufgrund der Auferstehung wissen und glauben: Mein Erlöser lebt und meine Sünden sind mir vergeben. Auf dieser Grundlage kann er ein gutes Gewissen vor Gott haben und die Hoffnung auf das ewige Leben.

Dies ist der Kern der biblischen Botschaft, der in Hubers Vortrag wie gewohnt fehlt. Klar, da war wohl was mit Jesus und irgendwie hat Gottes Gnade auch mit dem Freispruch von der Sünde zu tun, doch das schwebt als Botschaft eher frei im Raum. Entscheidend ist für Huber die geistige Bewegung, die von Jesus ausging der Geist der Freiheit, so möchte man sagen. Huber unterlegt indes dem biblischen Freiheitsbegriff nur zu sehr den der Aufklärung: die Freiheit zur kulturellen Gestaltung, zum Dienst am Nächsten und zur politischen Mitverantwortung. Es sei dies die Freiheit, zu sich selbst und seiner eigentlichen Bestimmung zu kommen. Die Botschaft von der Freiheit wird zur soziologischen Handlungsanweisung und bleibt im Diesseitigen stecken.

Wenn Huber behauptet, die evangelische Kirche habe Zukunft durch ihre geistliche Kraft, dann muß man wohl sagen: Mit solch einem ausgedünnten Evangelium hat sie keine Kraft und darum auch keine Zukunft. Sie hat nur dort Kraft und Zukunft, wo Gottes Werk in seiner Offenbarung und die heilige Schrift als Gottes Wort verkündigt werden, wo nicht in erster Linie die psychologische oder gesellschaftliche Bedeutung des Wortes Gottes, sondern der gekreuzigte Christus als Gottes Weisheit und Gottes Kraft verkündet werden. Die Kirche hat den Menschen vor das Angesicht Gottes zu stellen. Nur dann ist sie im rechten Sinne bedeutungsvoll.

Erst diesem Evangelium sind "liturgisch bewußt und qualitätvoll gestaltete Gottesdienste", die im Blick auf die Zukunft der EKD gefordert werden, angemessen. Im anderen Fall verpuffen Qualitätsoffensiven und andere Maßnahmen, die man ergreift, um die EKD zukunftsfähig zu machen, aufgrund der Belanglosigkeit der gepredigten Inhalte. Da vom Zukunftskongreß offenbar keine Impulse in Richtung schriftgemäßer Predigt ausgingen, ist zu befürchten, daß die EKD auch in Zukunft ihren seit Jahrzehnten erkennbaren Abwärtstrend fortsetzt. Wenn Gott uns gnädig ist, gibt es dann Evangelische Kirche außerhalb der EKD.