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Rezension

Bernhard Kaiser: Studien zur Fundamentaltheologie.
Band 1: Offenbarung.
Verlag für Theologie und Religionswissenschaft,
Nürnberg 2005, 222 S., 24,90 Euro, ISBN 3-937965-29-7.

Bernhard Kaiser gelingt mit diesem Buch eine kurzgefaßte und verständliche Ausarbeitung zu dem grundlegenden Thema "Offenbarung". Für Theologiestudenten und Pfarrer ist eine Lektüre als zusammenfassende Darstellung zum Thema sehr zu empfehlen, ebenso für interessierte Gemeindeglieder, für die allerdings einige zusätzliche Erläuterungen mancher Fach- und Fremdwörter hilfreich wären.

Im Gegensatz zu manchen anderen dogmatischen Entwürfen benennt Kaiser deutlich seine Voraussetzungen: Die Bibel mit ihrem Bezug zur menschlichen Geschichte wird als Quelle des christlichen Glaubens und der Offenbarung befragt, als Wort Gottes und als Menschenwort (S. 21f). Dagegen steht für ihn die grundsätzliche Feststellung Immanuel Kants, daß für die theoretische Vernunft eine gewisse Aussage über Gott für den Menschen nicht möglich sei. Diese These hat das moderne Denken und auch die Theologie bis in die Gegenwart geprägt. Kaiser weist dazu in kurzen Darstellungen theologischer Entwürfe des 19. und 20. Jahrhunderts nach, wie dort die Offenbarung Gottes in das menschliche Bewußtsein verlegt und in letzter Konsequenz zu einem Produkt der menschlichen Religiosität wird. Nach Kaiser kann die moderne Theologie mit dieser Grundentscheidung nicht den Weg zur geschichtlichen Offenbarung in Christus zeigen.

Ausführlich stellt er dagegen das biblische Offenbarungsverständnis dar und unterscheidet zwischen der allgemeinen Offenbarung Gottes in der Schöpfung und der Heilsoffenbarung in der Geschichte, die uns nur durch das biblische Wort vermittelt wird. Weil das Erkennen des Menschen aufgrund seiner Vernunft lückenhaft bleibt und aufgrund der Sündhaftigkeit des Menschen fehlerhaft bleiben muß, ist für Kaiser die allgemeine Offenbarung "für sich genommen im Blick auf das Heil unwirksam" (S. 63) im Gegensatz zur Auffassung der römisch-katholischen Kirche, von der sich Kaiser immer wieder deutlich abgrenzt.

Kompakt und verständlich werden die Gottesbeweise vom Mittelalter bis zu Kant dargestellt und als ungeeignet bewertet, den sich selbst offenbarenden Gott, von dem die Bibel spricht, zu erkennen.

Kaiser legt den Schwerpunkt seiner Darstellung auf die Offenbarung in der Heilsgeschichte progressiv zu Christus hin, in einer Kontinuität zwischen dem Sinaibund und dem neuen Bund in Verheißung und Erfüllung. Ausdrücklich schließt er sich mit dem Begriff "Offenbarungsgeschichte" an Walter Künneth an. Kaiser betont, daß die Offenbarung Gottes mit Christus bzw. der Zeit der Apostel abgeschlossen sei. Davon zu unterscheiden sei das Handeln Gottes in der Kirchengeschichte , wo durch den Heiligen Geist "Erleuchtung" einzelner Menschen und Gemeinden geschehen kann, aber nur als Hinführung zur Offenbarung in Christus und nicht als "neue" Offenbarungen. Damit wehrt Kaiser auch bestimmte pfingstlich-charismatische Lehren ausdrücklich ab.

Insgesamt will Kaiser will dazu anregen, Gott in seiner Offenbarung zu suchen, in der Predigt wieder von der geschehenen Offenbarung zu sprechen und Theologie unter der Vorgabe der Offenbarung zu erarbeiten. Diese Absicht ist sehr zu begrüßen, weil sie die zentrale Grundlage biblisch verantworteter Theologie anspricht. Man mag die eine oder andere theologische Bewertung anders vornehmen als Kaiser es tut, aber man kann seine Studie insgesamt als eine sehr kenntnisreiche, biblisch gut begründete und übersichtliche Darstellung eines zentralen theologischen Themas nur empfehlen.

Pfr. Wolfgang Sickinger in: Aufbruch. Mitglieder- und Freundesbrief des Ev. Aufbruchs in Deutschland, April 2006, S. 6-7